Diana  29.07.2018 0 Kommentare

Madidi Nationalpark

Die normale Route von Cochabamba nach Rurrenabaque führt über La Paz, wir entschieden uns aber für eine spannendere Variante über eine kleine Nebenstrecke und waren hier ganze 5 Tage unterwegs. Von Cochabamba aus ging es erstmal über viele Serpentinen in die Höhe. An einer Stelle wurden wir von einem Kleinbus angehalten, hier sei weiterfahren nicht möglich, weiterfahren sollten wir über eine Straße, die auf keinem GPS mehr zu finden ist. An den Weggabelungen wurde uns dann doch etwas mulmig, wohin jetzt?? Wir erreichten eine Ortschaft mit Hostel, in dem wir uns ziemlich ko einquartierten. Unterwegs auf der Suche nach einem Restaurant kamen wir an Marktständen vorbei und probierten uns durch Obst, welches wir noch nie gesehen hatten. Die Damen kicherten, bis sich eine traute und Harold mal anfasste. Viele Bleichgesichter kommen hier wohl nicht vorbei.

Am zweiten Tag wurde die Straße durch einen Fluß unterbrochen. Harold testete Strömung und Tiefe, und watete ersteinmal hindurch um eine passende Stelle für die Durchfahrt zu suchen. Untergekommen sind wir in einem sehr einfachen Hostel, in einer Art Garage mit Krabbelviechern im Bett, ohne Aussicht auf eine Dusche und mit einer Toilette, die seit der Installation wahrscheinlich noch nie geputzt wurde...

Unterwegs wurden überall Cocablätter getrocknet, ganze Fußballfelder waren voll, Einfahrten, Dächer, überall. Meinen platten Hinterreifen flickten wir, während wir von Sandmücken zerstochen wurden. Die sehen aus wie Fruchtfliegen, ihren Biss spürt man nicht und sie hinterlassen kleine blutige Stellen. Weit kamen wir nicht und mein Hinterreifen war wieder platt. Diesmal 7 Löcher, nur 2 Patches übrig und unser Ersatzschlauch war auch schon hinüber. Harold fuhr mit meinem Hinterrad los zur nächsten Gomeria, leider mitsamt dem Mückenspray im Tankrucksack. In der dreiviertel Stunde bis er wiederkam, wurde ich entsprechend aufgefressen. Immerhin konnten wir jetzt weiterfahren.

Auf einer Staubpiste gings entlang von Cocafeldern weiter. Die zweite Flussdurchfahrt, die wir eigentlich erwartet hatten, fiel aus, hier gab es tatsächlich eine Brücke. Auf einem Foto später sieht man die typische Art der hiesigen Müllentsorgung: einfach den Abhang neben der Straße runter. Genauso umweltfreundlich wie die Autowäsche im nächsten Fluss.

Wie üblich wenn gebaut wird, ist die ganze straße einfach gesperrt, im falle des Abschnittes zwischen Caranavi und Rurrenabacke von 5 Uhr Morgens uns 5 Uhr Abends. Entsprechend sind wir Morgens um 4 losgefahren um den etwa halbe Stunde entfernten Beginn der Baustelle rechtzeitig zu passieren. Im Dunkeln gings über Asphalt, Schotter und Matsch bis endlich die Sonne aufging. Unterwegs gabs dann Frühstück und bei den angenehmen Temperaturen hatte ich mein Visier nicht ganz geschlossen gehalten. Die Quittung bekam ich prompt in Form einer rabenschwarzen Wespe, die nach dem Aufprall in meinem Kinnwindabweiser hängenblieb und mich beim Abziehen des Helmes dann doch noch gestochen hatte. In Rurrenabacke angekommen war es endlich endlich mal warm, sogar eine Runde planschen war drin :-)

Bekannt wurde der Nationalpark, weil sich 1982 eine Gruppe von Touristen im Dschungel verirrt hatte. Nur zwei von ihnen kamen lebendig wieder in der Zivilisation an. Einer von beiden schrieb ein Buch, welches erst vor kurzem verfilmt wurde (‚Jungle‘ mit Daniel Radcliffe). 2017 hatte es wieder einer geschafft sich zu verlaufen. Der Chilene ist neun Tage später nur wenige hundert Meter von der Dschungellodge gefunden worden. Überlebt habe er, weil Affen einige Früchte fallen ließen und er ihnen zu Wasserstellen gefolgt sei.

Für die Touristen werden 3 Tages Touren in den Dschungel oder die Pampa des Nationalparkes angeboten. Wir entschieden uns für letztere, da hier die Tiere zum Wasser kommen. Zudem sind die Hauptatraktion der Tour rosa Süßwasserdelfine, mit denen man schwimmen kann.

Erste Station war der Mini-Flughafen, um die anderen Teilnehmer einzusammelt, lustigerweise waren wir allesamt Deutsche. Danach ging es mit dem Auto für etwa 2 Stunden über eine Holperpiste zum Bootsanleger. Dort wartete dann auch direkt der erste Kaiman, von dem wir uns gar nicht mehr lösen konnten, wir wussten ja noch nicht, dass hier all paar Meter einer am Ufer liegt.. Fasziniert von den vielen bunten Vögeln, Schildkröten und unzähligen Kaimanen, kam ein Anruf: wir haben unsere Köchin vergessen. Also gings erstmal wieder zurück. Als wir wieder auf Kurs waren wurde es langsam aber sicher später und irgendwann immer dunkler. Im Schein von Harolds Taschenlampe navigierten wir den zugewucherten Fluss hinunter bis die ersten Lichter auftauchten. Leider nicht unsere Lodge, die nächste auch nicht, die nächste wieder nicht. Unsere Lodge war stockfinster und verlassen. Benzin für den Generator gab es ebenfalls nicht und so warteten wir im Dunkeln und genossen den Sternenhimmel. Harold brach zwischenzeitig in einem der nichtmehr ganz so frischen Holzstege ein, welche die Gebäude miteinander verbinden. Irgendwann schlug der Zuständige für die Lodge mit Benzin auf und wir konnten in unsere Zimmer - mit lecker Mäuseköttel im nicht ganz so frisch bezogenen Bett.

Bis das Abendessen fertig war gings nochmal los, Tagesordnungspunkt: Nachtfahrt. Hatten wir zwar schon, aber diesmal suchten wir mit Taschenlampen das Wasser ab. Die Augen der Kaimane reflektieren das Licht und man findet sie überall im Geäst versteckt lauernd. Und wenn man ihnen zu nahe kommt, brüllen sie, während alle Vögel kurz verstummen. Alternativ können sie auch brummen und dabei das Wasser blubbern lassen. Aber auch einen (noch) putzigen Babykaiman hat unser Guide aufgespürt.

Nach kurzer Nacht hieß es früh aufstehen, um 6 war Abfahrt in Richtung einer Lichtung um den Sonnenaufgang anzusehen. Wieder zurück an der Lodge begrüßte uns ein Capybara vorm Bad. Am Tag bevor wir eingetroffen waren, besuchte zum Unbehagen des Mitarbeiters ein Jaguar die leere Dschungellodge.

War wohl doch n wenig früh, hm Schatz? Nächster Programmpunkt war das Schwimmen mit den rosa Delfinen. Vorbei an unzähligen Kaimanen ging es zu einer Flussgabelung. "Jetzt Schwimmen" ...

Ernsthaft? Ein Kaiman schwimmt vorbei, mehrere liegen in nächster Nähe am Ufer. "Ich habe Defline gefunden, also schwimmen". Naja, hilft ja nichts, also rein da.

Mit blauen Dschungeltattoo aus Jaguafrucht (welches zwei Wochen hielt) gings auf Anakondasuche. Die Riesenschlangen leben im sumpfigen Gebiet und halten sich oft im Wasser auf. Deshalb der Hinweis: sollten wir im Wasser auf was Rundes treten, bitte bescheidsagen. Die ausgewachsenen Exemplare sollen eine Größe von bis zu 9m erreichen können und verschlingen dann sogar Capybaras. Entsprechend fallen auch wir von der Gewichtsklasse her ins Beuteschema - deshalb die Machete. Die Stöcke mit der Gabelung am Ende haben wir, falls wir statt einer Anakonda versehentlich eine Kobra finden. Die Stunden vergingen und in der prallen Sonne ließen wir so langsam nach. Deshalb parkte unser Guide uns immer wieder unter einem Baum und zog alleine los. Er gab nicht auf und nach fast 4 Stunden hatte er es dann geschafft, er hatte eine Anakonda für uns gefunden. Die war erstaunlich schwer, hätte ich nicht erwartet. Und da ich den Schwanz in die Hand gerückt bekam, musste ich sie permanent schütteln, damit sie mir nicht ins Bein beißt.

Im Bild rechts neben diesem Text sieht man unseren Hauskaiman, der immer nahe unseren Bootes unsere Lodge bewacht. Unser Guide und Harold sind abends nochmal rausgefahren zum Angeln und sind mit Piranhas und Welsen wieder zurückgekommen.

Nachts fliegen Fledermäuse durch die nach außen offene Lodge und Morgens wurden wir vom Brüllaffengeschrei geweckt. Heute stand noch das offizielle Piranhaangeln an. Wo es viele Piranhas gibt ist leicht zu sehen, sie springen nämlich gerne. Nachdem es am Vortag gegen Abend zugezogen hatte, war dieser Tag deutlich kühler. Mittags kam dann allerdings die Sonne raus und mit ihr die richtig großen Brocken an Kaimanen um sich aufzuwärmen. Gut, dass wir die erst heute sehen, gestern als wir geschwommen sind waren diese Kolosse mit im Wasser. Ob wir mit dem Wissen trotzdem reingesprungen wären??

Mit diesem Kollegen hatte ich ein spezielles Erlebniss. Mit der Kamera vorm Gesicht schlich ich in die Spitze des kleinen Bootes, welche das Ufer berührte. Ich wollte versuchen ihm in das weit aufgerissene Maul reinzufotographieren. Langsam schloss er leider selbiges und als ich ihm trotzdem noch näher kam, war ihm das nicht mehr geheuer und von einem Moment auf den anderen jagte er direkt auf mich zu. Ich flitzte nach hinten ins Heck, der Kaiman aber ins Wasser. Puh :-)

Auf der Rückfahrt schmierte unser Gudie uns still und heimlich Banane in die Haare, sodass wir anschließend von süßen kleinen Affen überfallen wurden. Danach gings dann leider schon wieder Richtung Zivilisation. Die drei Tage hier waren wahrscheinlich mit die coolsten der Reise und viel zu schnell vorbei.

Nächstes Ziel war La Paz. Die Baustelle durchquerten wir diesmal nach der Öffnung um 5 Uhr nachmittags und übernachten wieder in Caranavi. Am zweiten Tag fuhr ich voraus, bis ich mich irgendwann wunderte, wo Harold abgeblieben war. Ich fuhr zurück, Baustellensperrung ...

Die hatten tatsächlich bevor Harold passieren konnte die Straße gesperrt und am Hang oben schmiss ein Bagger Felsbrocken und Bäume herunter. Mangels peruanischer SIM-Karte war eine Kontaktaufnahme nicht möglich, es war gerade Mittag und sie wollten die Straße noch bis 17 Uhr gesperrt lassen.  Einheimische erzählten mir von einer alternativen, nur mit Motorrad passierbaren Straße und so flitze ich an den Baustellenmitarbeitern vorbei und lief auf der Straße zurück. Erschrocken funkten sie den Baggerfahrer an, der solange innehielt. Auf Harold getroffen gab ich ihm die Info mit der Umfahrung weiter und er machte sich auf den Weg. Als wir uns auf der anderen Seite trafen, meinte er, das sei das steilste, was er hier bisher gefahren sei und der Weg führte über eine Indiana Jones mäßige Fußgängerhängebrücke (Bild rechts).

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Einen neuen Kommentar schreiben